Die Dossenheimer Steinbrüche

Die Dossenheimer Steinbrüche verdanken ihre Entstehung dem staatlichen Bedürfnis nach Straßenbaumaterial. Aus einer Beschwerde, die der katholische Pfarrer Herdt wegen der Zerstörung eines Waldstückes hinter dem Pfarrwingert geschrieben hatte, geht hervor, daß schon um das Jahr 1760 mit dem Gesteinsabbau für die erste "gute Straße" von Heidelberg nach Weinheim begonnen wurde. Im Jahr 1812 war der Steinabbau am Fuß des Kirchbergs (Steckelberg) schon ziemlich weit fortgeschritten. Auf Anraten der Straßenbaukommission Heidelberg übernahm die Gemeinde 1834 die Verpachtung des inzwischen aufgeschlossenen Geländes im vorderen Steigental und im Mühltal. Die Verpachtung der Steinbrüche machte einen steigenden Pferdebestand erforderlich. Dossenheimer Bauern die Pferde besaßen, sahen nun ihre Zeit gekommen und wandelten sich zu reinen Fuhrunternehmern. Darüber hinaus verschafften sie sich Einnahmen, indem sie hinter dem Rücken der Pächter eigene Lieferverträge auch mit überregionalen Straßenbauinspektionen abschlossen. Das Nebeneinander von 40 und mehr auf ihren zugewiesenen Pachtgebieten (Pachtlosen) selbständig wirtschaftenden Bruchpächtern, die 1878 insgesamt 150 Arbeiter beschäftigten, konnte jedoch kein Dauerzustand sein. Die Pächter machten sich gegenseitig Konkurrenz, und die Gewinnspanne wurde immer geringer, da sie sich in ihren Preisen gegenseitig unterboten. Am 1. Oktober 1882 wurde daher, das Geschäft in den Eigenbetrieb der Gemeinde übernommen. Die Brüche wurden wie bisher weiter betrieben, wobei nun jedoch der Abbau in den einzelnen Pachtlosen unter Kontrolle der Betriebsleitung erfolgte. Schon in den ersten Jahren der Selbstverwaltung entstand ein gefährlicher Konkurrent: das Heidelberger Tief- und Bahnbauunternehmen Gebrüder Leferenz, das im Gewann "Fuchsloch" begann, das Porphyrgestein abzubauen. Nach Eröffnung dieses zweiten Betriebs wurde das wirtschaftliche und soziale Leben der Gemeinde noch mehr als zuvor von der Steinbrucharbeit bestimmt. Der Ort wandelte sich zu einem "Steinbrecherdorf". Die Aufwärtsentwicklung um die Jahrhundertwende sicherte den Arbeitern einen guten Verdienst. In Dossenheim entstanden 13 Wirtshäuser und 17 Flaschenbierhandlungen, was Ausdruck des Wohlstandes der damals 3.000 Einwohner zählenden Gemeinde war.












Literatur

Hilsheimer, Ludwig. "Zur Geschichte der Dossenheimer Steinbrüche", in: Dossenheim. Eine traditionsreiche Bergstraßengemeinde im Wandel ihrer Geschichte, hg. v. Heimatverein Dossenheim e.V. Dossenheim, 1984. S. 152-159.

Thomas Juelch - Heidelberg und die Kurpfalz

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