Käthchen von Heilbronn
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"Graf Friedrich Wetter von Strahl kehrte einst bei einem alten Heilbronner Waffenschmied ein, sein Pferd zu beschlagen und seine Rüstung herrichten zu lassen.

Der Waffenschmied gebot seiner Tochter, dem Fremden einen Becher Wein zu kredenzen. Käthchen, schnell bereit des Vaters Wunsch zu erfüllen, war kaum ins Zimmer getreten, als sie lautlos zu des Ritters Füßen zusammenbrach. Stand nicht derselbe Jüngling vor ihr, den sie im Traume gesehen, und der um ihre Hand werben würde?

Beschämt und klopfenden Herzens eilte sie auf ihre Kammer. Der Ritter, inzwischen vom Vater bedient, schwang sich aufs Roß und wollte davonreiten. Da stürzte sich Käthchen dreißig Fuß hoch aus dem Fenster auf die Straße, war aber aber wie ein Wunder fast ohne Verletzung geblieben. Kaum hatte sie sich von dem schweren Sturz erholt, so schnürte sie ihr Bündel und folgte fortan dem Ritter; nichts vermochte sie aus seiner Nähe zu vertreiben und von ihrer unerschütterlichen Anhänglichkeit und Liebe abzubringen. Da wurde der Jüngling so gerührt, daß er seinen Adelsstolz vergaß und sich entschloß, Käthchen zur Gemahlin zu nehmen. Bald fand auf der Strahlenburg bei Schriesheim die glänzende Hochzeit statt. Die Freude war umso größer, als es sich herausstellte, daß Käthchen nicht die Tochter des Waffenschmieds, sondern eine Kaiserstochter war. (...)"

(Bernhard, S. 68 f.)

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Thomas Juelch - Heidelberg und die Kurpfalz

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