Schwetzinger
Schloß: |
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Der 1787
fertiggestellte Merkurtempel wurde von Pigage
bewußt als Ruine errichtet. Über den Portalen befinden sich
Reliefs, die Merkur - der im Griechischen Hermes heißt - und die
mit ihm verbundenen Mythen darstellen. Alle drei Reliefs beziehen sich
auf die Funktion des Hermes als Götterbote. In allen drei Darstellungen
erscheint er als Befreier von unschuldig in Not Geratenen. In der Spätantike
war Hermes zur mächtigsten Gottheit aus dem Kreis der alten olympischen
Götter aufgestiegen: Als Hermes Trismegistos besaß er eine
Machtfülle wie später nur der christliche Gott (Trismegistos
=der dreimal Größte, d. h. der Allergrößte). Die
drei Darstellungen des Hermes als Befreier eines Menschen, eines Halbgottes
und eines Gottes - und Befreier heißt, daß er dafür die
Kraft eines anderen Gottes außer Gefecht setzen mußte, also
mehr Macht haben mußte als andere Götter - könnten darauf
hindeuten, daß dieser Hermes Trismegistos im Schwetzinger Tempel
gemeint ist. Im Zusammenhang mit der Moschee
gesehen (zu der der Merkurtempel bewußt in Bezug gesetzt wurde)
ergibt sich folgende Deutungsmöglichkeit: Gegenüber dem strahlenden
Tempel der Weisheit verfällt selbst der Tempel des ehemals mächtigsten
Gottes zur Ruine. Eine kleine Pikanterie am Rande wäre, daß
es dem 18. Jh. durchaus geläufig war, Hermes Trismegistos mit dem
christlichen Gott gleichzusetzen. Die antichristliche oder besser antikirchliche
Tendenz, die damit zum Ausdruck kommt, ist sicher mit dem Einfluß
Voltaires in Verbindung zu bringen. |
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Thomas Juelch - Heidelberg und die Kurpfalz |