Strahlenberger Hof



Der Strahlenberger Hof wurde durch das Fürstengeschlecht der Strahlenberger mit Hauptsitz auf der Strahlenburg als Stadtresidenz errichtet, die den Burgherren ermöglichte, immer auch in der Stadt präsent sein zu können. Als ausgebaute Anlage mit festem Steinhaus war der Strahlenberger Hof in das umfassende Verteidigungssystem von Burg und Stadt eingegliedert, und verstärkte dessen Wehrhaftigkeit. So bildete der Hof in Kriegszeiten ein starkes Vorwerk, von dem aus die Zugänge zur Burg verteidigt werden konnten. Der Hof war mit der Strahlenburg durch einen unterirdischen Gang verbunden, so daß sich die Besatzung auf die Burg zurückziehen konnte, falls der Hof aufgegeben werden mußte. Ggf. konnten die Herren von Strahlenberg von ihrem Stadthof aus auch eine aufständige Bürgerschaft in Schach halten. Daß das Steinhaus die gleichen Spitzfenster hat, die auch am Palas der Burg zu sehen sind, zeigt, daß der Hof bereits im 13. Jh. erbaut wurde. Zur Zeit der Strahlenberger war der Hof mindestens doppelt so groß wie heute. So geht aus den Quellen hervor, daß der Hof bis zum Marktplatz reichte. Hieraus ergibt sich, daß der Nachbarhof (d.i. das heutige Nähersche Haus), der sich an den Marktplatz anschließt, mit dem heutigen Strahlenberger Hof eine Einheit gebildet haben muß. Dies macht auch der Verlauf des unterirdischen Ganges deutlich. So verbindet er eben jenen Nachbarhof mit der Strahlenburg. Dies beweist, daß der Nachbarhof Teil des Strahlenberger Hofes gewesen sein muß. Als Rennewart von Strahlenberg 1347 die Strahlenburg nebst der Stadt Schriesheim an die Pfalzgrafschaft bei Rhein verkaufte, ging auch der Strahlenberger Hof in pfalzgräflichen Besitz über. Am 19. Juni 1353 gab Kurfürst Ruprecht I. den Strahlenberger Hof seinem "Vitzthum" (lat.: vicedominus) oder Statthalter, Heinrich von Erligheim, zum Lehen: ein Gunsterweis, mit dem ein altes, angesehenes kurpfälzisches Adelsgeschlecht geehrt wurde, das in engen Beziehungen zum Hof in Heidelberg stand. Die Erligheims blieben im Besitz des Hofs, bis er von diesen an das Heidelberger Augustinerkloster verkauft wurde. Das genaue Datum des Verkaufs ist nicht bekannt, im Zinsbuch des Klosters wird der Hof jedoch 1490 erstmals erwähnt. Hier ist vermerkt, daß das Kloster den Hof an einen Heinrich Kremer verpachtete. Der Niedergang des Klosters führte dazu, das schon bald einer der Schriesheimer Pächter ein persönliches Eigentumsrecht am Hof geltend machte, und nur noch eine mäßige Zinspflicht gegenüber dem Kloster anerkannte. Als 1549 der damalige Kurfürst den gesamten Klosterbesitz der Universität Heidelberg vermachte, wurde in das sehr ausführliche Protokoll über noch vorhandene klösterliche Besitztitel kein Vermerk über den Schriesheimer Stadthof mehr aufgenommen.

Literatur

Assion, Peter (Hg.). Der Strahlenberger Hof in Schriesheim 1240-1990. Zur 750-Jahrfeier eines Bau- und Geschichtsdenkmals an der Bergstraße. Mannheim, 1990.

Thomas Juelch - Heidelberg und die Kurpfalz

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