Collegium Sapientiae

Bei dem in den Räumlichkeiten des Heidelberger Augustinerklosters untergebrachten Collegium Sapientiae (auch Sapienzkolleg genannt) handelt es sich um eine Bildungsanstalt, die in Heidelberg noch unter Kurfürst Friedrich II. - d. h. also noch in der altkirchlichen (katholischen) Zeit der Kurpfalz - gegründet wurde. Notwendig war die Einrichtung der Anstalt deshalb, weil der Bildungserwerb bisher den Angehörigen der gesellschaftlichen Oberschicht vorbehalten war. Am Collegium Sapientiae wurden dagegen gezielt Kinder unterrichtet, deren Eltern zur Entrichtung von Gebühren nicht in der Lage waren. Neben der Bedürftigkeit der Eltern waren unter- bzw. oberpfälzische Herkunft sowie auch überdurchschnittliche Begabung Voraussetzungen für ein Sapienz-Stipendium. Mit Genehmigung von Papst Julius III. wurde der Betrieb des Collegium Sapientiae aus den Einkünften der Benediktinerklöster Graufthal und Lixheim sowie der Augustinerklöster Heidelberg und Alzey finanziert. Friedrich II. hatte sich 1549 mit einem entsprechenden Gesuch an die Kurie gewendet. 1551 war die Genehmigung erteilt worden. Die Verwaltung des Collegiums und die Überwachung des dortigen Lehrbetriebs war Sache des Dekans der Artistenfakultät der Universität Heidelberg. Ferner wurden drei Lehrer angestellt, die in Heidelberg den Magistergrad erworben hatten. Erst am 11. November 1555 übersandte Friedrich II. Statuten und Ordnung an Dekan und Senioren der Artistenfakultät der Universität Heidelberg. Zu den ersten Stipendienempfängern gehörte der spätere neulateinische Dichter und Humanist Johannes Posthius. Kurfürst Ottheinrich nahm sich des Collegiums tatkräftig an und erhöhte die Zahl der Stipendien.

Unter Kurfürst Friedrich III. vollzog sich 1560/61 die allmähliche Umwandlung des Sapienzkollegs in eine Stätte der Theologenausbildung. Als Ersatz für die früheren Funktionen des Collegiums gründete Friedrich III. Gymnasien in Heidelberg, Neuhausen (bei Worms) und Amberg. Die organisatorische Verbindung des Sapienzkollegs zur Universität Heidelberg wurde völlig gelöst, statt ihrer übernahm der pfälzer Kirchenrat (die Leitungsbehörde der Landeskirche) die Aufsicht über die Anstalt. Die Beziehung des Collegiums Sapientiae zur Universität blieb allerdings trotz der organisatorischen Trennung dadurch erhalten, daß zum Ephorus (d. h. Leiter) der Anstalt fast immer ein Theologieprofessor bestimmt wurde. Erster Ephorus war Caspar Olevianus (1536-1587), der allerdings nur wenige Monate amtierte. Unter seinem Nachfolger Zacharias Ursinus (1534-1583) erreichte das Collegium seine erste Blüte. Als Kurfürst Ludwig VI. die Relutherisierung der Pfalz durchführte, weigerten sich 1577 bis auf fünf alle etwa 70 Stipendiaten, Luthers Kleinen Katechismus anzunehmen. Sie wurden daraufhin entlassen. Erst zwei Jahre später wurde das Collegium Sapientiae als lutherische Anstalt unter den Theologieprofessoren Philipp Marbach und Jakob Schopper mit 40 Stipendiaten wiedererrichtet. Bei der Recalvinisierung unter Johann Casimir wurden die lutherischen Leiter entlassen und durch Georg Sohn und David Pareus ersetzt. Die lutherisch erzogenen Stipendiaten weigerten sich jedoch, calvinistische Vorlesungen zu besuchen, so daß erneut ein Elitenaustausch stattfand.


Literatur

Wolgast, Eike. "Das Collegium Sapientiae in Heidelberg im 16. Jahrhundert", in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 147, 1999. S. 303-318.
Zepf, Robert. "Fructus uberrimi. Die Theologiestudenten von Collegium Sapientiae und Universität Heidelberg 1560-1622", in: Zwischen Wissenschaft und Politik, hg. v. Armin Kohnle und Frank Engehausen. Stuttgart, 2001. S. 441-454.


Thomas Juelch - Heidelberg und die Kurpfalz

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