Konkordienkirche

Als Symbol für die kirchenpolitischen Bemühungen um Einheit der christlichen Konfessionen, ließ Kurfürst Karl Ludwig in der Zitadelle Friedrichsburg eine Kirche errichten. Der zugrunde liegenden politischen Motivation entsprechend, gab man ihr den Namen "Kirche zur heiligen Eintracht" oder latinisiert "Konkordienkirche". Zugleich war die Stiftung der Konkordienkirche ein Akt persönlichen Trauergedenkens: Als Karl Ludwigs zweite Gemahlin - Raugräfin Louise von Degenfeld - am 18. März 1677 an den Folgen ihrer 14. Schwangerschaft starb, bestimmte der Kurfürst die geplante Konkordienkirche zur Grablege für sich und seine Gemahlin. Am 29. März des gleichen Jahres traf man die Vorbereitungen zur Grundsteinlegung. Fünf Tage später wurde der Sarg der Raugräfin in der eilig auf der Baustelle gemauerten Gruft bestattet. 1679 ließ Karl Ludwig von dem Münzmeister Johannes Linck eine Silbermedaille prägen, die uns als einziges Dokument eine Vorstellung von der Gestalt der Konkordienkirche in der Festung Friedrichsburg gibt. Als Vorbild für den Kirchenbau diente die "Nieuwe Kerk" in Den Haag. Gewölbe und Wandflächen hatte der Maler Antonio Maria Bernardi aus Bologna mit den allegorischen Gestalten Macht, Weisheit, Frömmigkeit und Frieden versehen. Baumeister war Johann Peter Wachter, der es vom einfachen Bauschreiber zum Hofkammerrat und Leiter des kurfürstlichen Bauamts gebracht hatte. Im Sommer 1680 war die Kirche vollendet. Im selben Jahr starb der Karl Ludwig. Unter Karl Ludwigs Nachfolger, Kurfürst Karl II., wurde das Gebäude - für die deutsche und französische reformierte Gemeinde - zu einem zweiflügligen Kirchenbau mit Kirchturm in der Mitte umgestaltet. (Mit diesem architektonischen Konzept begründete die Konkordienkirche eine Tradition, die später auch den Gebäudekomplex von Altem Rathaus und Sebastianskirche am Marktplatz sowie das Kaufhaus am Paradeplatz prägte.) Das Bauvorhaben wurde 1685 in Angriff genommen. Kurz nach seiner Fertigstellung wurde das Gebäude 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) durch die Franzosen zerstört. Nach dem Krieg entstand an der selben Stelle erneut eine Doppelkirche für die reformierte Gemeinde. Mangel an Geld verzögerte deren Vollendung. Erst 1717 konnte der deutsch-reformierte Teil, 1739 der wallonische eingeweiht werden. Der Flügel, der sehr klein gewordenen wallonischen Gemeinde, war kleiner als bisher. Die beiden Gemeinden waren auch nicht in der Lage, den Turm in ganzer Höhe zu erbauen. Nur zwei Turmgeschosse konnten aufgerichtet werden, die durch ein niederes Pyramidendach abgeschlossen wurden. Bei der Beschießung Mannheims während der französischen Revolutionskriege brannte die Kirche völlig aus. Nie wieder hergestellt wurde der wallonische Teil. Heute steht an dieser Stelle die Friedrich-Liszt-Schule. Das deutsch-reformierte Gotteshaus, das an den stehengebliebenen Turm angebaut worden war, konnte am 2. November 1800 eingeweiht werden. Auf Grund von Geldmangel kam es jedoch nicht zu einem Ausbau des Turmes. Dieser erhielt erst in den Jahren 1892/93, als die Kirche umgebaut und renoviert wurde, seine jetzige Gestalt. Er ist der höchste Kirchturm der Stadt und eines ihrer Wahrzeichen.




Vorder- und Rückseite der Münze, die Kurfürst Karl Ludwig 1679 prägen ließ


Der nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg errichtete Kirchenbau

Text in Anlehnung an die Website der Konkordienkirche: www.ekma.de/gemeinden/konkordien/geschichte/index.html

Bildquelle: ebd.

Thomas Juelch - Heidelberg und die Kurpfalz

Zurück zu "Mannheim" --- Zurück zu "Andere Städte"

Zurück zur Startseite