Karlsruher Architektenschule
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Da Heidelberg seit dem Reichsdeputationshauptschluß zu Baden gehörte, wurde die bauliche Aktivität im Heidelberg des 19. Jh. vor allem durch Sprößlinge der Karlsruher Architektenschule bestimmt. Seit 1825 verfügte das Großherzogtum Baden über eine Bauschule innerhalb des neugegründeten Polytechnikums. Sie ging hervor aus der privaten Bauschule des Friedrich Weinbrenner, einem der bedeutendsten Vertreter klassizistischer Architektur. Zu Weinbrenners Schülern zählte Heinrich Hübsch, der nach Weinbrenners Tod dessen Nachfolge antrat. Schon zwei Jahre nach Weinbrenners Tod stellte Hübsch die Architektur des Klassizismus in Frage. Mit seinem architektonischen Bekenntnis In welchem Style sollen wir bauen? (1828) gab er den entscheidenden Anstoß für die Stilbildung im 19. Jh.. So weist er in dieser Schrift darauf hin, daß sich die Bauaufgaben des 19. Jh. nicht mehr durch das alleinige Festhalten an antiken Vorbildern bewältigen ließen. Hübsch verband das romantische Natur- und Lebensgefühl mit zweckgerechtem Bauen unter Berücksichtigung der klimatischen Bedingungen des jeweiligen Ortes. Er selbst fertigte die Pläne für das Gebäude des Instituts für Anatomie der Universität Heidelberg an. Die für Heidelberg wichtigsten Schüler Hübschs waren Ludwig Lendorff, der Architekt des Stadttheaters und des Bezirksgerichts war, sowie Heinrich Lang, der das Chemische Laboratorium sowie das Physiologische Institut errichtete. Lang war Lehrer des späteren Professors Josef Durm, des bis um die Jahrhundertwende wohl einflußreichsten Architekten im Großherzogtum Baden, der in Heidelberg vor allem das Kurfürst-Friedrich-Gymnasium und die Universitätsbibliothek errichtete. Wie Professor Otto Warth sprach er sich nach langer Diskussion gegen den Wiederaufbau der Schloßanlage aus. Beide waren Gegenspieler von Professor Karl Schäfer, der zumindest den Wiederaufbau des Friedrichsbaus (1897-1900) durchsetzen konnte.

Literatur:

Grammbitter, Ulrike. Josef Durm (1837-1919). Eine Einführung in das architektonische Werk, Dissertation (=tuduv-Studien, Reihe Kunstgeschichte, Bd. 9). München, 1984.

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Thomas Juelch - Heidelberg und die Kurpfalz

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